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Bürgerreise 2014 in Sarstedt - Fotos und Zeitungsberichte (29.05.2014)

Hildesheimer Allgemeine Zeitung 30.05.2014

Sarstedt (jm). "Der frühe Vogel fängt den Wurm. Wir empfangen unsere Gäste um 8 Uhr vor dem Stadtsaal" - mit diesen Worten hatte Gabi Neumann vom Vorstand des Komitees für die Städtepartnerschaft mit den französischen Städten Gaillon und Aubevoye die Sarstedter Gastgeber zum Empfang ihrer französischen Gäste eingeladen. Doch offensichtlich war der "Vogel dann sogar noch eher als geplant auf Wurm-Fang gegangen", denn um 7.10 Uhr kam ein Anruf aus dem französischen Bus: "Wir sind schon um 7.30 Uhr in Sarstedt!" Entsprechend stressig begann das Himmelfahrt-Wochenende für die Sarstedter Komitee-Mitglieder. So kurzfristig waren denn auch nur wenige von ihnen pünktlich um 7.30 Uhr zur Begrüßung erschienen. Zumal der Bus im Vorjahr mit zweistündiger Verspätung angekommen war, erschienen die weitaus meisten Sarstedter dann wirklich erst um 8 Uhr vor dem Stadtsaal. "Wir hatten dieses Jahr einen Busfahrer aus Paris, der hat uns problemlos um Paris herum gelotst", berichteten die Franzosen. Deshalb benötigten sie in diesem Jahr nur 10 1/2 Stunden für die Fahrt mit immerhin fast 900 km Entfernung.

Mit einem gemeinsamen Frühstück im Stadtsaal begann dann das Himmelfahrt-Wochenende. Für den Vorstand des Sarstedter Partnerschaftskomitees begrüßten die Franzosen und Sarstedter dort Gabi Neumann, Natascha Kroetz, Sylla Marienfeld-Schlüterbusch, Winfried Schirm und Michael Moorbach. Und die Französin Monique Porcher, die gestern ihren Geburtstag in Sarstedt feiern konnte, hat es sicher noch nicht oft erlebt, dass rund 100 Personen ihr ein Geburtstagsständchen gebracht haben, zudem auf deutsch und auf französisch.

Nach dem Frühstück fuhren die Gastgeber dann mit ihren Gästen in die jeweiligen Unterkünfte, um die Zimmer zu beziehen und sich frisch zu machen für die ereignisreichen folgenden Tage.

Bereits gestern Nachmittag stand mit der Besichtigung der Mühle Malzfeldt und anschließender Kaffeetafel ein erster Programmpunkt an. Am heutigen Freitag fährt die Gruppe nach Einbeck, wo u.a. eine Brauerei-Besichtigung, ein Picknick und ein Programm für die Kinder geplant ist. Auf dem Rückweg wird noch eine Töpferei in Fredelsloh besucht. Am morgigen Sonnabend nehmen mittags einige deutsch-französischen Mannschaften am Schießen auf die Heimatscheibe im Rahmen des Sarstedter Schützenfestes teil - Treffpunkt ist um 12.30 Uhr vor dem Schützenhaus der "Alten Schützengilde" am Festplatz. Abends findet dann das traditionelle Abschluss-Fest im Stadtsaal mit umfangreichem und buntem Programm statt. Einlass ist ab 18 Uhr. Und dann stehen die Besucher vor der schwierigen Frage, ob sie recht früh nach Hause gehen, um auszuschlafen, oder ob sie gleich "durchmachen", denn das Treffen für die Rückfahrt der  Franzosen erfolgt bereits am Sonntagmorgen um 8.15 Uhr.

 

Hildesheimer Allgemeine Zeitung 31.05.2014

Sarstedt (jm). Ausgesprochen gut angekommen ist sowohl bei den Sarstedter als auch französischen Mitgliedern der Partnerschaftskomitees der erste "offizielle" Programmpunkt während der Besuchstage der Gäste aus Gaillon und Aubevoye, die Besichtigung der Mühle Malzfeldt am Donnerstagnachmittag. Wegen der hohen Anzahl der Teilnehmer mussten Mühlen-Besitzer Andreas Gleim und Übersetzer Michael Mohrbach gleich zwei Führungen leiten. Und die Teilnehmer waren so interessiert und stellten so viele Fragen, dass das folgende Kaffeetrinken von der Zeit her reibungslos ins Abendessen überführte.

Seit dem 13. Jahrhundert gebe es die Mühle, erläuterte Andreas Gleim. Früher hätte sie dem Bischoff von Hildesheim, dem König von Hannover und seit 1854 der Familie Malzfeldt gehört. Seit 1965 werde dort kein Mehl mehr gemahlen, sondern per Wasserkraft mit zwei Turbinen Strom produziert. Außerdem hätten insgesamt 70 Mieter der unterschiedlichsten Richtungen Räume in der Mühle gemietet. Gleim wies die Besucher insbesondere auf den großen Silo von 1890 hin, der durch ein spezielles Kammer-System besonders lange Korn speichern konnte. Die Söhne Ernst Malzfeldts seien extra für ein halbes Jahr in die USA gereist, um ein solches Gebäude auch in Deutschland errichten zu können. Früher hätte die Familie Malzfeldt vier Mühlen bewirtschaftet, neben der in Sarstedt noch je eine in Hannover, Hildesheim und Bad Carlshafen.

Besonders interessant fanden die Besucher das Mühlen-Museum, das zu einer "Reise in die Vergangenheit" einlud. Vor allem die technisch Interessierten waren sehr aufmerksam, als Andreas Gleim die Strom-Produktion erläuterte. 1,5 Millionen kw/h würden im Jahr produziert, damit könnten zwischen 350 und 400 Haushalte mit Strom versorgt werden. Und alles werde über Computer gesteuert.

Beeindruckt waren alle auch vom großen Turbinenraum, immer wieder leuchteten hier Blitzlichter auf, weil alle die Turbine fotografieren wollten.

Im Außenbereich konnte dann auch die "Fischtreppe" besichtigt werden, bevor Gleim die Gruppen zum Wehr führte und dort erläuterte, dass es eine wichtige Aufgabe der Mühle sei, zur Wasser-Regulierung beizutragen. Im Sommer müsse möglichst ein Austrocknen verhindert werden, im Frühjahr nach der Schneeschmelze Überschwemmungen. Allerdings seien die Möglichkeiten vor allem im Hinblick auf die Überschwemmungen nur begrenzt.

Eine nette Begegnung gab es am Rande der Mühlen-Führung: Martine Duflos aus Gaillon und Bernd Potthast aus Blomberg, die seit 1965 Briefe austauschen, lernten sich erstmals persönlich kennen, weil Potthast nach Sarstedt gekommen war. Der Briefwechsel sei immer in deutscher  oder englischer Sprache geführt worden, erläuterten die beiden, weil Potthast kein französisch spricht.

 

Hildesheimer Allgmeine Zeitung 02.06.2014

Sarstedt (jm). Früher war Bier ein Grundnahrungsmittel und jedem Einwohner stand täglich ein Liter davon zu - das erfuhren die Besucher des Sarstedter Partnerschaftskomitees aus den französischen Städten Gaillon und Aubevoye, die am Freitag die Brauerei in Einbeck besichtigten. Zusammen mit den Sarstedter Dolmetschern Gabi Neumann und Michael Mohrbach erlebten sie den zweiten Tag ihres Besuches in Einbeck. Seit mehr als 600 Jahren wird dort Bier produziert nach dem heute noch gültigen deutschen Reinheitsgesetz von 1516, das lediglich Wasser, Hopfen, Malz und Hefe für die Herstellung erlaubt. Die älteste Rechnung im Brauerei-Museum stammt aus dem Jahr 1378. Damals wurde allerdings erheblich weniger Bier als heute (50 000 Flaschen stündlich) abgefüllt. Und dieses auch nicht in einer Groß-Brauerei, sondern in bis zu 720 Häusern mit Brau-Recht. Heute wird im Norden bis in die nordischen Länder, im Osten bis hinter Berlin, im Westen bis an den Rhein und im Süden bis nach München und Innsbruck Bier aus Einbeck geliefert.

Für die 8 Kinder der Gruppe fand während der Brauerei-Besichtigung durch die Erwachsenen eine "kindgerechte Stadtführung" statt.

Danach trafen sich alle wieder in der Brauerei, um sich dort mit einem Picknick zu stärken, und die Erwachsenen konnten dann auch das dort produzierte Bier probieren.

Außerdem fand eine beeindruckende Führung durch die Fachwerkstadt Einbeck statt. Nach dem Start am Rathaus wurde die Gruppe über die Geschichte der Stadt informiert, die im Jahr 1540 vollständig abgebrannt war. Also durchaus eine Parallele zum großen Stadtbrand in Sarstedt.  Auch Till Eulenspiegel hat dort angeblich gelebt und als Arbeiter in einer Brauerei gewirkt. Das allerdings nur so lange, bis er den Hund des Braumeisters in den Biersud packte - vor Frust, weil eine Magd seinem Werben nicht stattgab. Deshalb war es für seine Gesundheit danach besser zu flüchten.

Weitere Stationen der Stadtführung waren die Marktkirche St. Jacobi mit dem "schiefen Turm von Einbeck" und die Fachwerk-Straße, an die sich Reste der Stadtmauer mit ebensolchen der ehemaligen Türme anschließen.

Der Tag klang aus mit der Besichtigung einer Töpferei in Fredelsloh. Dort werden die unterschiedlichsten Gefäße noch per Hand angefertigt.

 

Hildesheimer Allgemeine Zeitung 03.06.2014

Sarstedt (jm). Mit einem wahren Feuerwerk an Stimmung ging der Besuch der Franzosen aus den Sarstedter Partnerstädten Gaillon und Aubevoye am Sonnabendabend im Stadtsaal zu Ende. Gabi Neumann vom Sarstedter Komitee konnte dazu auch Bürgermeister Karl-Heinz Wondratschek und zwei der Gründungs-Mitglieder des Sarstedter Partnerschaftskomitees vor 22 Jahren, Heike Brennecke und Winfried Schirm, die heute noch im Vorstand mitarbeiten, begrüßen. Damals gab es ca. 30 Mitglieder, heute hat sich deren Anzahl verfünffacht.

Wondratschek verabschiedete sich in seinem Grußwort gleichzeitig von den Franzosen als Bürgermeister, denn er wird am 31. Oktober in den verdienten Ruhestand gehen. Aber er versprach, auch in Zukunft den Kontakt zu  den beiden Partnerschafts - Komitees zu halten.

Ein warmes Buffet sorgte nach dem Austausch von Geschenken anschließend für die Grundlage für einen langen Abend, der mit einem bunten  Unterhaltungsprogramm begann.

Musikalische Darbietungen hatten die Franzosen als "Gastgeschenke" mitgebracht. Als Edith Piaf sang, da hörte der Saal noch andächtig zu, aber als dann "Das rote Pferd", der "Ententanz" und "So ein schöner Tag" präsentiert wurden, hielt es niemanden mehr auf den Stühlen - nicht nur die Kinder klatschten, sangen und tanzten begeistert mit.

Der Vorstand des deutschen Partnerschaftskomitees hatte ein "Quizz-Duell" vorbereitet: Eine Männer- und eine Frauen-Mannschaft, gebildet aus jeweils drei Deutschen und drei Franzosen, trat gegeneinander an und musste mehr oder weniger schwierige und ernst gemeinte Fragen beantworten.  Die Männer gewannen ganz knapp.

Der Disk-Jockey hatte danach offensichtlich eine glückliche Hand mit der Auswahl der Musik, denn die Tanzfläche war immer wieder stark frequentiert. Für etliche Sarstedter und Franzosen wurde es eine sehr kurze Nacht, denn am Sonntagmorgen war das Treffen am Bus auf 8.15 Uhr festgelegt worden.

Sowohl die Sarstedter Gastgeber als auch die französischen Gäste äußerten sich uneingeschränkt positiv zu den Tagen in Sarstedt und dem Programm. Beatrice Cuisset, die Vorsitzende des französischen Komitees und erstmals in Sarstedt dabei, freute sich darüber, dass dieses Jahr 14 neue Mitglieder des französischen Komitees unter den 57 Personen waren, die nach Sarstedt gekommen sind: "Das Programm ist immer perfekt und die Unterkunft in den Familien ausgezeichnet."

Dominique Meurant, Ehrenvorsitzender des französischen Komitees, war bereits zum elften Male in Sarstedt und hatte "immer ein großes Vergnügen". Dieses Jahr sei alles toll gewesen: das Wetter, das Programm, der Empfang in einer neuen Familie. Für 2015 seien die Sarstedter wieder nach Gaillon und Aubevoye eingeladen, um die Freundschaft zu pflegen.

Sylla Marienfeld-Schlüterbusch vom Vorstand des Sarstedter Komitees und ihre Gäste haben "viel gelacht, Neuigkeiten ausgetauscht  und über allgemeine Dinge gesprochen." Mit Hilfe der englischen, französischen und deutschen Sprache sowie "mit dem Wörterbuch und Händen und Füßen" hätten sie sich prima verstanden. Die Franzosen und sie selbst danken allen Personen, die zum gelungenen Wochenende beigetragen haben.

Gabi Neumann, eine weitere der vier gleichberechtigten stellvertretenden Vorsitzenden des Sarstedter Komitees, bezeichnete den Besuch und das Programm als "absolut gelungen". Ein toller Programmpunkt sei die Besichtigung der Mühle Malzfeldt gewesen. Dank des Komitees würde man immer wieder die nähere und weitere Umgebung Sarstedts besser kennen lernen. Das sei "alles wieder sehr herzlich und freundschaftlich gewesen, eben typisch für diesen Austausch."

 

Hildesheimer Allgemeine Zeitung 04.06.2014

Sarstedt (jm). "Eigentlich sind wir ganz schön sprachlos, aber die Kommunikation klappt dennoch hervorragend", stellt Beowulf Paul fest, der zusammen mit seiner Frau Silke die sechsköpfige Familie Deschamps aus Gaillon während des Besuches der Franzosen aus den Partnerstädten während des Himmelfahrt-Wochenendes betreut hatte. Die Franzosen sprechen nicht deutsch, Pauls nicht französisch, dafür aber englisch, allerdings sprechen die Franzosen auch kein Englisch. "Wir unterhalten uns mit Händen und Füßen oder dem Übersetzungs-Tool "Blabla" im Smartphone oder ePad", erläutert Silke Paul. Als sie wissen wollten, ob die Franzosen zum Frühstück ein Ei haben wollen, hat Beowulf Paul mit den Armen den Flügelschlag eines Huhns imitiert, auf seinen Hintern gezeigt und "Ping" gesagt. Begeistertes Nicken verdeutlichte: Ein Ei wird gewünscht....Oder als Pauls ihren Gästen vorschlagen wollten, Erdbeeren zu pflücken, holte Silke Paul ein Glas Erdbeermarmelade und zeigte auf die Frucht auf dem Aufkleber.

Im Jahr 2010 war Beowulf Paul Disk-Jockey beim Abschlussabend. Die Aktivitäten des Sarstedter Partnerschaftskomitees sprachen ihn und seine Familie so sehr an, dass sie selbst einstiegen. Im Jahr 2011 nahmen sie an der Bürgerfahrt des Sarstedter Komitees nach Frankreich teil - Bennet Paul war damals jüngster Sarstedter mit 6 Jahren. Sie wohnten damals ebenso wie im Jahr 2013 bei der französischen Familie Deschamps. Und zwischenzeitlich haben sie in ihrem Haus in Hotteln auch schon mehrfach Gäste aus Frankreich begrüßt, Deschamps allerdings in diesem Jahr erstmals.

Virginie Deschamps spricht "ein ganz klein wenig" deutsch und stellt auch ohne viele Worte fest: "Es gefällt uns sehr in Sarstedt, da die Leute hier sehr nett sind." Besonders haben ihr am Vatertag die  zahlreichen Bollerwagen gefallen, mit denen viele Gruppen durch die Gegend zogen. So etwas kennt man in Frankreich nicht. Und auch ihr Mann Pascal spricht fast perfekt drei Worte Deutsch: "Deutsches Bier gut !"

Am Donnerstag nach der Ankunft sind Pauls mit den Gästen und ihren eigenen beiden Kindern auf die Marienburg gefahren und haben dann das Konzert von Andreas Schenker in Heisede besucht. "Offensichtlich kennen die  Franzosen auch keine Bratwürste", wundert Beowulf Paul sich. Am Freitag nach der Rückkehr aus Einbeck und Fredelsloh wurde abends in Hotteln gegrillt - hierzu waren noch weitere Gäste eingeladen. Am Sonnabendmittag stand "Shopping" auf dem Programm, bevor es nachmittags zum Erdbeer-Pflücken nach Gleidingen ging. "Offensichtlich kennen sie Erdbeeren in Frankreich, aber dort kann man sie nicht selbst pflücken", meint Silke Paul. Und am Sonnabendabend waren dann natürlich alle bei der großen Abschlussfeier dabei, bevor es Sonntagmorgen mit dem Bus zurück nach Frankreich ging.

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